12698345_965915143490885_2448828599468497241_o„Ich will meine Grünen aufrütteln!“ Grünen-Mitbegründer Ludger Sauerborn zeigt sich bei aller sichtbaren rheinhessischen Gemütlichkeit kämpferisch – und liefert eine verblüffend unkonventionelle Begründung, wie er seine Mission erfüllen möchte: Das schaffe ich mit öffentlicher Unterstützung der AfD natürlich besser als mit parteiinterner Kritik. Der ehemalige grüne Urgesteinsfels trägt seine Absichten mit einer solch natürlichen Nüchternheit und rheinländischen Glaubwürdigkeit vor, dass die über hundert AfD-Sympathisanten ihm vermutlich auch applaudiert hätten, hätte er laut mit dem Gedanken einer AfD-Grünen-Koalition gespielt. Aber die Farbkombination grün-blau ziert nach rheinländischer Weisheit das mütterliche Borstenvieh.

Moralische Überheblichkeit der Grünen
Mit dem Pauschalurteil Ausländerfeindlichkeit räumte er bei der Gelegenheit auch gleich auf: „Ich unterstütze die AfD nicht, obwohl ich mit einer Chinesin verheiratet, sondern weil ich mit einer Chinesin verheiratet bin.“ Seine Frau könne wie viele Ausländer nicht verstehen, warum die Deutschen so wenig patriotisch seien. „Für die meisten Ausländer ist Patriotismus etwas positives!“, stellt Sauerborn verschmitzt fest und zeigt, dass er dies ähnlich sieht. Dies vereint das Wormser Unikum, das nach 36 Jahren seine Mitgliedschaft bei der Öko-Partei wegen der „moralischen Überheblichkeit“ und der „Empörungsbeauftragten“ Claudia Roth niedergelegt hatte, mit dem AfD-Spitzenkandidaten Uwe Junge. „Ich stehe wie sonst kein anderer hinter der freiheitlich-demokratischen Republik Deutschlands“, bekräftigte der aktive Berufsoffizier zu Beginn des Vortrags.

Störaktion ohne Wirkung
Kurze Unruhe entstand, als eine junge Besucherin den Vortrag Junges schon nach einer Viertelstunde unterbrach und wissen wollte, ob ein angeblich auf irgendeinem Tisch gefundenes Pamphlet die Urheberschaft der Partei habe. Der Unterbrochene zeigte sich bereit, die Frage kurz abschlägig zu beantworten, verwies aber bezüglich einer ausführlichen Diskussion auf die im Anschluss des Vortrages geplante Diskussionsrunde. Die Frau fing an zu schreien und wurde vom Sicherheitsdienst hinausbegleitet, nicht ohne den Versuch, stapelweise Informationsmaterial mitzunehmen. „Auch das ist ein Zeichen mangelnden Demokratieverständnisses, dass man den anderen nicht reden lässt und stört. Dies zeugt von mangelnder Erziehung und – wie ich denke – auch Bildung.“ kommentierte Junge.

Umso mehr freute der AfD-Spitzenkandidat sich über viele junge Gesichter im Publikum. „Das scheinen die Intelligenteren zu sein“, kommentierte er trocken. Sein Vortrag ist ansprechend gegliedert, denn die Politikfelder greifen ineinander: Kein Staat, ohne Familie, keine Familie ohne Kinder, keine erfolgreichen und glücklichen Kinder ohne Bildung, und garnichts von alledem ohne innere Sicherheit.

Uwe Junge: Erfahrungen aus erster Hand in Afghanistan

12771778_965915686824164_4672753995929192993_oHier ließ Junge seine militärische Erfahrung für sich sprechen. „Die Innere Sicherheit wissen diejenigen am meisten zu schätzen, die sie nicht haben“, sagte er mit Blick auf seine Einsätze in Afghanistan. „Der Islam, den ich als Offizier der deutschen Bundeswehr im Auslandseinsatz in Afghanistan kennengelernt habe, ist mit unseren freiheitlich-demokratischen Grundsätzen nicht vereinbar. Er gehört deshalb nicht zu Deutschland.“ Beim Thema Migrationskrise angekommen, verwies er auf Zahlen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BamF), nach denen zwischen 55 und 72 Prozent der im vergangenen Jahr Zugewanderten keine Flüchtlinge seien und demzufolge die Anerkennungsquote bei etwas über einem Prozent liege.

Danksagung an die Polizei
Gegen Ende seines Vortrages bedankte sich Junge für den Polizeischutz, den die vor dem Gebäude positionierte Hundertschaft bot. „Diese Frauen und Männer da draußen halten für uns den Kopf hin. Sie haben unsere Anerkennung, unsere Unterstützung und unseren Respekt verdient.“ Tatsächlich ist es den Beamten mehrfach gelungen, Zugänge zur Veranstaltungen freizuräumen, die zuvor von Gegendemonstranten blockiert wurden, in der Absicht, die Besucher am Betreten des Veranstaltungsortes zu hindern.

Konrad Adam: Feuerwerk abendländischer Zitate
Gastredner und Ex-Bundessprecher Konrad Adam widmete sich in seinem Vortrag der Lage der AfD im Parteienspektrum, ihren Chancen und Risiken, gewürzt mit Zitaten von Geistesgrößen des Abendlandes. „Wir sollten uns davor hüten, die Dummheit der anderen mit Dummheit zu beantworten“, sagte er ausdrücklich mit Blick auf die Behandlung der AfD durch die Alt-Parteien. „Eine Demokratie, die sich herbeiließe, jeden, der es wünscht, aufzunehmen, würde diese Regelung nicht überleben“ zitierte Adam den linken französischen Philosophen und Essayisten André Glucksmann.

Kritik an „Zensurminister“ Heiko Maas (SPD)

Wir nehmen unsere Bürgerrechte ernst. Anders als Heiko Maas“ kommentierte er die Pläne des Bundesjustizministers, die Meinungsfreiheit in sozialen Netzwerken einzuschränken. In diesem Zusammenhang griff Adam auf den dritten und laut einer Studie besten Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Thomas Jefferson, zurück: „Wenn ich zu wählen hätte zwischen einem Land mit einer Regierung, aber ohne Zeitung, und einem Land mit Zeitung, aber ohne Regierung, dann würde ich mich für das Land ohne Regierung entscheiden.

In der sich anschließenden Gesprächsrunde bat Uwe Junge aus Zeitnot, dass die Störerin nun schnell ihre Gelegenheit wahrnehmen solle, ihre Frage beantwortet zu bekommen. Sie war nach dem Türverweis jedoch gegangen. Die Gegendemonstranten hatten sich schon zur Pause verabschiedet und den Platz vor dem Gebäude geräumt. Keine Spur war zu sehen, als die Gäste sich angeregt unterhaltend auf den Heimweg machten.

Cornelius Persdorf

Bilder: AfD Mainz