slider-unserVorbemerkung: Vor dem Hintergrund des Streiks an der Universiät Landau wandte sich das Internet-Portal „Analogo“ an uns. Die AfD sollte auf verschiedenen Fragen rund um die Probleme der streikenden Studenten antworten.

Der Artikel Richtungsweisender Bildungsstreik an Universität Landau beschrieb die Probleme unter anderem wie folgt:

Studentenzahlen in Deutschlands erleben in diesem Semester neue Höchstzahlen. Der Universitätsbetrieb konnte nicht so schnell neue Räume schaffen und anmieten, wie neue Studenten nachströmten. Es herrscht Platzmangel in Seminaren und Vorlesungen. Studenten wurden von Vorlesungen ausgeschlossen, weil sie auf den Treppen des Hörsaals saßen und somit die Rettungswege versperrten. Sie mussten die Vorlesung verlassen und haben somit schlechtere Bildungschancen als ihre Kommilitonen. Ist das gerecht?

Unsere Stellungnahme fiel wie folgt aus:

Streik an der Universität Landau: AfD plädiert für eine grundsätzliche Revision der Bildungspolitik und die Stärkung des akademischen Mittelbaus

Die Alternative für Deutschland plädiert grundsätzlich für eine Revision der (rot-grünen) Bildungspolitik. Der Drang zu den Hochschulen ist ungebrochen, bei einem Großteil der Schüler und Schülerinnen bzw. Abiturienten hat sich die Ansicht durchgesetzt, dass eine Bildungskarriere, die nicht zum Hochschulabschluss führt, gescheitert sei. Wir halten diese Sichtweise für falsch. Aktuell ist festzustellen, dass die Anzahl der Lehrverhältnisse im Dualen System stark rückläufig ist, während die Zahl der Einschreibungen immer noch – teilweise massiv – ansteigt. Mit dieser Entwicklung, die offenkundig politisch gewollt ist, können die Universitäten nicht mehr Schritt halten. Es muss geradezu zwangsläufig zu einer Unterfinanzierung kommen. Diese Unterfinanzierung führt zu Konflikten, zu Qualitätseinbußen, zum Mangel an Lehrangeboten.

Die Ausbildung muss wieder deutlich an Attraktivität gewinnen

Dieses Ungleichgewicht führt zudem dazu, dass dem Dualen System – der Ausbildung – nicht mehr das gesamte Begabungs- und Neigungsspektrum des Großteils der Jugendlichen zur Verfügung steht. Es verfestigt sich der fatale Eindruck, dass sich nur noch ein „Rest“ ausbilden lässt. Das ist sehr problematisch, denn nicht jede Entscheidung für ein Studium ist immer gut begründet. Zudem bieten zahlreiche Ausbildungsberufe nicht nur anspruchsvolle intellektuelle Herausforderungen, sondern beste Zukunftsaussichten.

schablone-bildung-1Lehre und Studium: zwei gleichwertige Bildungswege

Schüler und Schülerinnen müssen frühzeitig gut darauf vorbereitet werden, dass sie einen von zwei absolut gleichwertigen Bildungswegen wählen können. Aktuell müsste viel mehr dafür getan werden, dass die Ausbildung wieder deutlich an Attraktivität gewinnt. An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass die Entscheidung für eine Ausbildung vorteilhaft sein kann, denn die Generation der „neuen Akademiker“ muss mit Einkommensverlusten rechnen bzw. ist nicht wesentlich stärker vor Arbeitslosigkeit und prekären Arbeitsverhältnissen geschützt wie die jungen Menschen, die sich für eine Ausbildung und betriebliche oder externe Anschlussqualifikationen (z.B. den Meister) entschieden haben.

Im Gegenteil. Unsere Forderung, den Meister grundsätzlich kostenfrei (analog zum gebührenfreien Studium, das wir befürworten) zu machen, sollte eine von vielen Maßnahmen für die Aufwertung der Ausbildung sein.

Wir wissen, dass diese Bildungspolitik unpopulär ist, gerade bei jungen Menschen, die mit dem Studium ein hohes Maß an Freiheit und Autonomie verbinden. Wir glauben aber, dass es an der Zeit ist, umzusteuern. Die Zahl der Ausbildungsverträge und die der Einschreibungen sollten in einem vernünftigen Verhältnis zueinander stehen. Dass aktuell Projekte eingerichtet werden (IHK und Universitäten), um Studienabbrechern Wege in eine Ausbildung aufzuzeigen, belegt, dass wir das Problem im Kern richtig erfasst haben.
Langfristig würde die Zahl der Einschreibungen wieder auf ein vernünftiges Maß zurückgehen, der Druck auf eine immer weiter steigende Zahl der Studenten zeitnah mit Etat-Erhöhungen zu reagieren (und letztlich doch nie Schritt halten zu können) würde damit abnehmen.

Konkrete Vorschläge:

Stärkung des akademischen Mittelbaus

Eine neue Bildungsphilosophie wird die aktuellen Probleme (z.B. an der Universität Landau), so wie sie Rainer Winters dargestellt hat, nicht zeitnah lösen können, das ist mir bewusst.
Um die Zahl der Prüfungen wieder auf das vorgeschriebene Maß zu reduzieren und das Lehrangebot kurz- und mittelfristig zu erweitern, möchte ich den Vorschlag machen, pensionierte Gymnasiallehrer oder Absolventen eines Lehramtsstudiums mit verwandten Qualifikationen zur Überbrückung einzusetzen. Zudem muss der akademische Mittelbau (Akademische Räte) gestärkt werden. Konkret: Neugestaltung des Mittelbaus, der jungen Wissenschaftlern bereits frühzeitig berufliche Perspektiven jenseits der Professur bieten sollte. Das heißt: generell unbefristete Arbeitsverhältnisse. Gerade jetzt zeigt sich, wie wertvoll beruflich abgesicherte Akademische Räte, die schwerpunktmäßig die Lehre abdecken, für den universitären Betrieb sind.

Die „Anwerbung“ von Master-Studierenden als „Einnahmequelle“ sehen wir (basierend auf den uns vorliegenden Informationen) kritisch, insbesondere von dem Hintergrund der aktuellen Probleme. Der Austausch mit dem Ausland ist wichtig, eine Anwerbung, die als „Geschäft“ dient, um eine Unterdeckung auszugleichen, sehen wir aber kritisch. Die traditionell in Deutschland gewährleistete Gebührenfreiheit, die durch Steuermittel ermöglicht wird, darf nicht zur Lösung von Problemen, die mit ausländischen Gebührensystemen verbunden sind, herangezogen werden.

AfD steht bezahlten Forschungsaufträgen der Wirtschaft nicht grundsätzlich ablehnend gegenüber

Die AfD steht bezahlten Forschungsaufträgen der Wirtschaft nicht grundsätzlich ablehnend gegenüber. Die Universitäten sollten allerdings in die Pflicht genommen werden, diese möglichst transparent zu machen und sich einer Diskussion stellen. Eine Kultur des Vertrauens muss etabliert werden. Wir appellieren an dieser Stelle an die Studenten und Studentinnen nicht jeden Forschungsauftrag per se als „Ein- oder Übergriff“ zu betrachten, sondern sich vor zu Augen zu führen, dass ein Industriestaat ohne nennenswerte Ressourcen auf Spitzenforschung angewiesen ist und diese gerade auch durch Forschungsaufträge sichergestellt wird. Eine nicht immer rational begründbare „Aversion“ gegen Forschungsaufträge gilt es mitunter kritisch zu reflektieren.

Joachim Paul
Bildungspolitischer Sprecher der AfD in Rheinland-Pfalz